Impressionen aus Südafrika

Für viele Leser erweckt die Erwähnung von Südafrika die Assoziation eines exotischen Landes für Ferien in der Sonne, Safari und goldene Strände – Tage im warmen Sonnenschein, während in Europa Regen, Frost und Schnee herrschen und man bei laufender Zentralheizung nur mit neidischen Augen dorthin schauen kann.

Für einen Schönstätter, der sich auskennt, ist Südafrika jedoch ein Land mit einer tragischen Vergangenheit in der Zeit der „Apartheid“ und gleichzeitig ein Land, in dem ein friedlicher Übergang in eine neue Ära, besonders durch Nelson Mandela, erlebt wurde. Als unser Gründer Pater Kentenich 1948 zu einem dreimonatigen Besuch dort weilte, fasste er seine Eindrücke und Empfehlungen in einem langen Bericht, dem sogenannten “Afrika-Bericht” zusammen, der heute noch von Bedeutung ist. Während seines Besuches in Südafrika, wo er mit den Problemen einer multi-ethnischen Realität konfrontiert war, definierte Pater Kentenich das Ideal des „Neuen Menschen in der neuen Gemeinschaft“ abschließend.

Ungefähr 70 Jahre später hatte ich nun im Dezember letzten Jahres die Möglichkeit, nach Südafrika zurückzukehren. Fast zehn Jahre war ich nicht mehr dort. Aber nun, nach Vollendung meines 75. Lebensjahres und nachdem ich von den Verpflichtungen in der Pfarrseelsorge befreit bin, konnte ich heimkehren zu meinen Schönstattwurzeln, zu meinen Angehörigen und zu meinen priesterlichen und pastoralen Ursprüngen. Die göttliche Vorsehung fügte es durch eine Reihe von Werkzeugen, unter ihnen der Erzbischof von Kapstadt, dass ich eingeladen wurde, als Aushilfspfarrer für eine gewisse Zeit in meiner ehemaligen Pfarrei „Maria von der Heimsuchung“ in Constantia, Kapstadt, tätig zu sein. Ich war 27 Jahre lang Pfarrer in dieser Pfarrei, die durch Pater Heinz Werner Schneider gegründet wurde.

Wie verhält man sich gegenüber einem Großteil von Pfarrangehörigen, die einen kennen und die man selber als ehemaliger Pfarrer über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren kennt? Man hat sie getauft, getraut und Familienangehörige begraben. So kam es während meines Aufenthalts dort zu vielen Begegnungen mit Leuten der Pfarrei, mit Mitgliedern der Schönstattbewegung und natürlich auch mit meinen Angehörigen.

Die Kirche vor Ort und im Land ist reifer geworden, und die Befähigung und Verantwortung der Laien ist überall zu spüren. Auch das Profil der Laien in der Schönstattbewegung hat sich verändert und ist klarer geworden. Die Bewegung spielt allmählich immer mehr eine wichtige Rolle in der Ortskirche.

Kurz gesagt ist natürlich die Abwesenheit der Schönstatt-Patres in Südafrika deutlich zu merken, aber mit Freude kann man sehen, dass die Schönstattbewegung um die Zentren in Johannesburg und Kapstadt herum wächst, besonders durch das Engagement der Laien und der Schwestern.

War die katholische Kirche in der Vergangenheit ihrer Größe und ihrem Einfluss nach eine Minderheitskirche, so hat sie inzwischen an Format, Einfluss und geistlichem Leben gewonnen und genießt großes Ansehen in Südafrika. Angeführt von den Bischöfen, vom Klerus, den Ordensleuten und führenden Laien, betet, dient und lebt die Kirche in einer führenden Rolle in der Gesellschaft – als Kirche, die die Berufung hat, allen Südafrikanern und vielen darüber hinaus die Lehre Christi und vor allem soziale Gerechtigkeit zu verkünden – mit einer feinen und tiefen Liebe zu Maria, die als die „In den Himmel Aufgenommene“ in Südafrika als Patronin des Landes geehrt und gefeiert wird.

Pater David Musgrave

 

Weitere Berichte im Brief vom Berg Sion - Sommer 2017


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