Seelsorge konkret

Pater Michael Czysch erzählt:

 „Ein spannendes Gefühl, wenn in einem Menschen der Drang zum Aufbruch spürbar wird … und eine innere Stimme sagt: Pack alles zusammen und zieh weiter! Im Film „Chocolat“ wird so ein Moment beschrieben, ins Bild gebracht, als der Nordwind das Fenster aufreißt und einlädt: Zieh weiter! So stelle ich mich denn bewusst in den Wind, lasse ihn über mich und durch mich hinweg-wehen, höre sein Rauschen und frage mich: Ist Aufbruch angesagt? Ist es Zeit zu gehen? Der Wind treibt an, der Wind treibt fort … Es ist wieder soweit!, sagt im Wind die sanfte, liebevolle Stimme des Heiligen Geistes …“
(Rainer-Matthias Müller, Mein Leben vom Umtausch ausgeschlossen, 2004).

Für mich war im Frühjahr 2017 der Moment gekommen, nach 10 Jahren Pfarrseelsorge in München-Forstenried wieder einmal aufzubrechen, weiterzuziehen, eine neue Aufgabe zu übernehmen, mich beherzt, geistbewegt dem Aufbruch zu stellen und im wahrsten Sinn des Wortes Neuland zu betreten – von der Pfarreipastoral zur Frauenseelsorge.

Nach einer Auszeit in Berlin-Frohnau und an der Ostsee – ich liebe das Meer! – zog ich nach Schönstatt ins Provinzhaus und übernahm zum 1. Advent 2017 die priesterliche Begleitung der „Schönstattbewegung Frauen und Mütter“, zusammen im Team mit Schwester Caja Bernhard und weiteren Marienschwestern in den einzelnen Diözesen. Zwei große Schwerpunkte meiner Arbeit sind zum einen die „Oasen-Wochenenden“ im Tagungszentrum Marienland in Schönstatt: Vorträge über die Jahreslosung (z.B.: „Mit und wie Maria Klima wandeln“ oder „Du wirkst – von innen her mehr bewegen“), Eucharistiefeiern mit Impulsen, Beicht- und Begleitungsgespräche (meist kommen je nach Diözese 55 bis 120 Frauen und Mütter) und zum anderen die Jahreskonferenz plus Wochenenden für Führungskräfte. Weitere kleinere Schwerpunkte: Viermal im Jahr schreibe ich einen Artikel für die Zeitschrift „Begegnung“ (Zeitschrift aus Schönstatt für Frauen) und zweimal im Jahr halte ich zusammen mit einer Marienschwester Exerzitien für die Mitglieder der Frauen und Mütterbewegung. Jetzt in der Zeit der Corona-Pandemie fanden diese Exerzitien – kreativ auf die Umstände reagierend – als „Exerzitien im Alltag“ statt, d.h. die Frauen und Mütter vor Ort bekamen die Vorträge, Impulse, Gebetszeiten u.a. per Post und gestalteten damit selber den Exerzitientag. Gespräche wurden – wer wollte – per Telefon geführt. Weit über 50 Frauen nahmen an diesem Angebot teil. Darüber hinaus bin ich mit dabei beim Mütter-/Elternsegen im Urheiligtum, bei Wochenenden für Mütter mit Kindern, Veranstaltungen für Frauen nach Trennung und Scheidung u.a. Auf einem Plakat, das ich im Schaufenster einer Buchhandlung fand, steht „Frauen verändern die Welt. Jeden Tag.“ Meine Welt, als Mensch und Priester, haben sie definitiv bereichert (schon damals bei meiner Arbeit in der Pfarrei) und bereichern sie immer wieder neu – an jedem Wochenende, bei jeder Begegnung, bei jedem persönlichen Gespräch, wo ich Anteil nehmen darf am Leben einer Frau und Mutter/Großmutter. Das „Leitungsteam“ ist stimmig und ergänzt sich wunderbar. Das Ganze ist eine stark kommunikative Tätigkeit, die mir sehr liegt und einfach gut tut.

Im September dieses Jahres „wehte der Wind der Veränderung wieder; trieb an, weiteres Neuland zu betreten“ – dieses Mal jedoch nicht mit einem Ortswechsel verbunden. Auf Wunsch der Leitung meiner Gemeinschaft übernahm ich die Aufgabe des Rektors der Hausgemeinschaft der älteren und kranken Mitbrüder im Provinzhaus auf Berg Sion, zu der auch 11 jüngere indische Mitbrüder gehören, die in Schönstattnähe als Pfarrer und Seelsorger arbeiten. Eine neue Herausforderung, die ich sehr gerne angenommen habe, weil ich spürte: Jetzt ist die Zeit, innerhalb meiner Patresgemeinschaft, gerade gegenüber meinen älteren Mitbrüdern, dankbar das zum Ausdruck zu bringen, was ich in den vergangenen Jahren an Unterstützung erfahren und erleben konnte und durfte.

Diese neue Tätigkeit als Hausrektor ist zeitintensiv, bedarf immer wieder eines offenen Ohres – Gott sei Dank haben wir Menschen zwei davon! –, des aufmerksamen Hinschauens, des Mitanpackens, des einfachen Daseins in Krankheit, des Impuls-Gebens u.a. Damit verbunden ist natürlich auch eine gewisse Reduzierung meiner bisherigen Arbeit in der „Schönstattbewegung Frauen und Mütter“, wobei gerade diese Tätigkeit sich jetzt im Blick auf das Miteinander mit den älteren Mitbrüdern als sehr bereichernd erweist. Egal ob in der Pfarrseelsorge, während meiner Zeit bei den Frauen und Müttern oder jetzt mit den Mitbrüdern – immer begleitet mich folgendes Gebet: „Jesus, erwecke in mir die Kraft des Lebens aus der Tiefe der Sehnsucht, ganz Mensch zu werden. Lehre mich das Leben verstehend zu lieben, es im anderen Menschen zu achten und, wo es gebrochen ist, aufzurichten.“ Ein Gebet, das für mich wegweisend ist im Alltag!

Herzlichst

Ihr Pater Michael Czysch

 

 


 


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